20.Januar.1935
Der beginn meiner Reise war gar nicht gemütlich. Bei scharfer Kälte und Schneegestöber hatte ich zu früher Stunde, lange vor Tagesanbruch, in Nacht und grauen Berlin verlassen müssen, um rechtzeitig in Bremen einzutreffen. Die Direktion des Norddeutschen Lloyd hatte mich telegraphisch benachrichtigt, dass der Zug früher als ursprünglich angenommen, nämlich am 21. Januar schon drei Viertel auf sechs in der Frühe, Bremen verlassen werde. So folgte denn der ungemütlichen letzten Nacht in Berlin eine eben so unerfreuliche in Bremen. Schon um vier Uhr Morgens musste ich aus dem Bett heraus, um kurz nach fünf meinen Weg nach den Bahnhof zu nehmen.



Autor
Hildegard Schultze war für mich eine der Faszinierernsten Frauen, nie erreichte Sie großen Ruhm aber in Ihrer Lebensgeschichte hatte Sie immer wieder faszinierende Punkte die Sie zu einer Zeit auskostete in denen andere es noch weitaus schwerer hatten als Sie. Hildegard war meine Großmutter und über viele Jahre hörte ich Ihr immer wieder gebannt zu. Aber erst nach Ihrem Tode mit diesem Reisetagebuch, wurde mir klar wie viele Geschichten unerzählt und ungeschrieben bleiben. Ein Leben ist vergangen aber die Gedanken an eine Frau die in den schwierigsten Jahren des letzten Jahrtausends gelebt hat, möchte ich hier weitertragen. Ich hoffe ich gebe den Geist der Erlebnisse dieser Frau korrekt wieder.